CPT - Clinical Pastoral Training

 
Anfänge um 1920 in Amerika

Das Clinical Pastoral Training als pastoralpsychologische Aus- und Weiterbildung in Seelsorge hat seinen Ursprung in den USA. 1925 führte Pfarrer Anton Boisen (1876-1965) ein erstes Praktikum für Theologiestudierende in der Psychiatrie durch. Den Impuls dazu gab seine eigene Erfahrung, dass die anspruchsvolle Aufgabe als Seelsorger für kranke Menschen, insbesondere in der Psychiatrie, nach einer Zusatzausbildung verlangt. Daraus wurde nach und nach ein praxisnahes Lernmodell unter der Bezeichnung "Clinical Pastoral Training" (CPT) für die Aus- und Weiterbildung von Theologinnen und Theologen in Seelsorge entwickelt.

Ansätze und Grundsätze

Das erste Prinzip des CPT war: "To Learn from the Living Human Documents". SeelsorgerInnen sollen den (psychisch-) kranken Menschen in allen seinen Bezügen ernst nehmen und bereit und fähig sein, von andern zu lernen: von den Kranken, von Sozialarbeitern, von Aerzten. Seelsorge soll sich nicht auf den Trost aus dem Glauben beschränken, sondern Leib, Seele und Geist auch in den sozialen und ökologischen Bezügen ernst nehmen.
1934 führten Richard Cabot (Pfarrer) und Rüssel L. Dicks (Arzt) in der Schulung die Methode der Verbatimanalyse ein. Learning by Doing ist bis heute ein wichtiges Prinzip des CPT geblieben. Reflexion der Erfahrungen unter Supervision aufgrund von Gesprächsprotokollen wurde als besonders wirksame Lernmethode kompetenter Seelsorge erkannt. Ab 1946 werden zunehmend auch Erkenntnisse der Psychologie und der Psychotherapie in die Ausbildung mit einbezogen. Vorab gewann die Klientzentrierte Gesprächstherapie von Carl R. Rogers und seine Methode der non-direktiven Gesprächsführung Einfluss. Auch das Element der Selbsterfahrung nahm nun in der CPT-Seelsorgeausbildung einen wichtigen Platz ein. Und die Einsicht, dass vor allem Wissen und Können die Person des Seelsorgers, der Seelsorgerin das eigentliche "Instrument" der Seelsorge ist, wird zum dritten Prinzip des CPT. Von SeelsorgerInnen wird eine bestimmte Grundhaltung erwartet, sie sollen einfühlender Anteilnahme fähig sein, dem Menschen vorurteilsfreie Wertschätzung entgegenbringen und selbstkongruent, das heisst echt und glaubwürdig sein.
CPT versteht auch heute wie zur Gründungszeit Seelsorge umfassend. In der CPT-Ausbildung legen wir Wert auf eine Vielfalt in den theoretischen Ansätzen und im Einsatz der Methoden. Entsprechend ist die Ausbildung gestaltet. Schulung der eigenen Persönlichkeit, entwickeln und vertiefen eines umfassenden Seelsorgeverständnisses, das Hilfe aus dem Glauben im Blick hat und dazu von anerkanntem psychologischen/psychotherapeutischen Wissen und von den Erfahrungen lernt als Hilfe, um Menschen in verschiedensten Situationen verstehen und ihnen adäquat begegnen zu können. Von einander lernen, sei es auf der Ebene der Fachgebiete, sei es vom Menschen, mit dem man gerade im Kontakt ist und die permanente Reflexion der eigenen Arbeit und Verhaltensweisen gehören grundlegend zur CPT-Schulung. Dazu kommt die Pflege der eigenen Spiritualität. Sie ist Voraussetzung, um andern den Zugang zur helfenden und heilenden Botschaften der Bibel zu erleichtern.

Die Abkürzung CPT

Heute ist es in Amerika unter der Bezeichnung "Clinical Pastoral Education" (CPE) bekannt, in Deutschland als Klinische Seelsorge-Ausbildung (KSA). Wir in der Schweiz sind beim »Clincal Pastoral Training« geblieben. "Clinical" -"Klinisch" bezieht sich dabei auf das Lernen aus der Praxis. Seelsorgerinnen und Seelsorger sollten damals und sollen heute vor allem in der praktischen Begegnung und Begleitung von Menschen sich die nötige Qualifikation erarbeiten, um auf Situationen, Probleme und Bedürfnisse von andern kompetent eingehen und adäquate Hilfe anbieten zu können.

Die Anfänge in der Schweiz

1965 kam die CPT-Seelsorgeausbildung über die Niederlande nach Europa. Auf verschiedenen Wegen und von verschiedenen Personen wurde das CPT-Lernmodell anfangs der Siebziger-Jahre in die Schweiz gebracht, sowohl direkt aus den USA (durch Keith Parker und Dorothee Hoch) wie auch über die Niederlande (durch Heije Faber, Hans van der Geest u.a.). Der erste offizielle Kurs in der Schweiz mit Heije Faber fand 1971 statt. Der Kirchenrat der Evang.-ref. Kirche des Kantons Zürich ermöglichte nach anfänglichen Gastkursen 1972 die feste Anstellung von Dr. Hans van der Geest, zuerst am Diakoniewerk Neumünster, Zollikerberg, und später in der Tagungsstätte Boldern, Männedorf. Von dort aus bot Hans van der Geest regelmässig CPT-Kurse sowie Supervision in regionalen Gruppen für Pfarrer und Pfarrerinnen aus der ganzen deutschen Schweiz an. Es kamen an der theologischen Fakultät Zürich Vorlesungen und Seminare für Studierende und weitere Interessierte hinzu. Seine Kursarbeit wurde von der sog. CPT-Kommission strukturell und fachlich begleitet.
Ab anfangs der achziger Jahre begann Hans van der Geest mit der Ausbildung von CPT-SupervisorInnen. Die CPT-Kommission setzte eine Expertengruppe, später Ausbildungsrat genannt, die den Auftrag bekam, die Supervisorenausbildung fachlich zu überwachen. Das war der erste Schritt zur Qualitätssicherung, die bis heute immer wieder überprüft und angepasst wird.
In den siebziger Jahren begannen parallel zu Hans van der Geest weitere CPT-Supervisorinnen und Supervisoren, die ihre Ausbildung zum Teil in den USA und in Holland, zum Teil bei Hans van der Geest absolviert hatten, CPT-Kurse durchzuführen; ab 1978 der erste röm.-kath. CPT-Supervisor in der Schweiz, Rudolf Albisser, Spitalpfarrer am Kantonsspital Luzern.
Ergänzend zur Kurstätigkeit bieten die CPT-SupervisorInnen und KursleiterInnen seit den Anfängen in der Schweiz auch Einzel- und Guppensupervision an.

Die aktuelle Trägerschaft

In den ersten Jahren hatte die Evang.-ref. Kirche des Kantons Zürich der CPT-Ausbildung den strukturellen und finanziellen Rückhalt geboten. Das Engagement der andern Kantonalkirchen wurde 1988 in einer formellen Vereinbarung der Deutschschweizerischen Kirchenkonferenz DSKK (ein Organ der der Evang.-ref. Kantonalkirchen der deutschen Schweiz) geregelt. 1993, nach dem Rücktritt von Hans van der Geest im Jahr 1990, erfolgte eine Neustrukturierung des CPT in der Schweiz und dessen Kursangebotes. Die Deutschschweizerische Kirchenkonferenz erweiterte die CPT-Kommission und nannte sie neu Seelsorge-Ausbildungs-Kommission SAK. Mit der Neustrukturierung wurde die aws mit einem Mitglied der röm.-katholischen Kirche als Vertreter der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz ergänzt. Die DSKK setzte zudem einen Ausbildungsrat ein, der für die Ausbildungsrichtlinien und für die Zulassung und Anerkennung von SupervisorInnen/KursleiterInnen zuständig ist. Der Ausbildungsrat wurde anfänglich aus erfahrenen Supervisoren aus dem Ausland zusammengesetzt, aus den USA, aus Holland und aus Deutschland. Inzwischen haben sich eigene CPT-SupervisorInnen und KursleiterInnen entsprechend qualifiziert. Der Ausbildungsrat setzt sich heute aus vier SupervisorInnen/KursleiterInnen aus der Schweiz und einem Mitglied aus Deutschland zusammen. Unter seiner Aufsicht werden seit den 80-er-Jahren in der Schweiz CPT-Kurs-Absolventinnen und –absolventen zu Supervisoren, resp. Supervisorinnen ausgebildet.

Die strukturelle Aufgabe der damaligen CPT-Kommission übernimmt seither die Kommission für Seelsorge-Aus- und Weiterbildung SAK, seit 2007 Kommission für Aus- und Weiterbildung in Seelsorge aws. Das Angebot an Kursen und regionalen Supervisionsgruppen wird seit 1991 durch den Kreis ausgebildeter und vom Ausbildungsrat anerkannter SupervisorInnen/KursleiterInnen CPT weitergeführt. Die SupervisorInnen/KursleiterInnen haben sich zusammengeschlossen, koordinieren seither gemeinsam das Kursangebot, pflegen in regelmässigen Kontakten Erfahrungsaustausch, beraten die gemeinsame Arbeit, die Umsetzung der Ausbildungsrichtlinien und Ethikgrundsätzen. Ab 2008 übernimmt der neu gegründete CPT-Verein die operativen Aufgaben der CPT-Seelsorgeausbildung.

Literatur zur Seelsorgeausbildung CPT
  • Stollberg Dietrich, Therapeutische Seelsorge. Die amerikanische Seelsorge-Bewegung, Darstellung und Kritik, München, Kaiser, 1969.
  • Zijlstra Wybe, Seelsorge-Training Clinical Pastoral Training, München/Mainz, Kaiser/Grünewald, 1971.
  • Fort- und Weiterbildung in Pastoralpsychologie, pp 629-659 in: Michael Klessmann, Pastoralpsychologie, Neukirchener Verlag, 2004
  • Schriftenreihen “DGfP-Info” und “Transformationen” der DGfP, für Bestellungen zur Geschäftsstelle kontakt@pastoralpsychologie.de
    für Kontakte zu den Schriftleitungen: DGfP-Info mjochheim@t-online.de, Transformationen klaus.kiessling@st-georgen.uni-frankfurt.de
  • Wege zum Menschen - Monatsschrift für Seelsorge und Beratung, heilendes und soziales Handeln
    Organ der Evang. Konferenz für Familien- und Lebensberatung e. V., der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie e. V. (DGfP) und der Konferenz für evangelische Krankenhausseelsorge
    Schriftleitung: Barbara Schneider, Galgenstrasse 6, 60437 Frankfurt am Main
    Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Theaterstrasse 13, 37073 Göttingen
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